Der Segen, den die Biker beim Motorrad-Gottesdienst erhalten, ist zwar kein Garant für eine unfallfreie Zeit, aber gibt ihnen ein gutes Gefühl, wenn sie auf ihren oftmals PS-starken Maschinen durch die Landschaft fahren, das Gott bei ihnen ist. Das bestätigen viele, die am Pfingstsonntag bei allerbestem Wetter beim inzwischen 11. Ökumenischen Motorrad-Gottesdienst dabei waren und bislang keinen ausgelassen haben, wie der ehemalige Stadtbrandinspektor Ulrich Strecker, für den dieser Termin schon fast Pflicht ist.
Pfarrer Marco Beuermann und sein katholscher Kollege Pastor Olaf Loer gestalteten den kurzweiligen Gottesdienst, bei dem sie passend zum Pfingstfest den Himmel in den Mittelpunkt rückten. „Pfingsten ist wie Rückenwind“, meinten sie in ihrem Dialog am Stehtisch. Man würde ihn nicht direkt wahrnehmen, jedoch seine Kraft spüren. Heaven- zu Deutsch Himmel- sei kein Ort, den wir erst nach dem Tod erreichen, Heaven sei vielmehr die Qualität des Lebensweges. Der Glaube würde ebenso wie die Leidenschaft zum Motoradfahren die Menschen verbinden. In den Fürbitten dachten die beiden an den erst vor einigen Tagen 59-jährigen Motorradfahrer, der bei einer Ausfahrt tödlich verunglückt ist.
Die Gruppe M.A.U. sorgte für die musikalische Untermalung ganz im Sinne des Kernthemas „Himmel“ mit Songs wie „Wie sieht dein Himmel aus?“ oder „Tears in Heaven“. Da Gäste aus Tansania derzeit im Kreis Gütersloh verweilten, konnte Marco Beuermann eine Abordnung zum Biker-Gottesdienst begrüßen und für sie wurde das „Vater unser“ auf Englisch gebetet.
Vor 13 Jahren ist der Motorradfahrer Sebastian Gehle mit der Idee an Marco Beuermann getreten, doch einen Segnungsgottesdienst speziell für Biker zu machen. Das hat er nicht erfunden. In Hamburg gibt es das schon über viele Jahre und zigtausend Motorradfahrer nehmen dort teil. „Ich habe mir seinerzeit gedacht, dass wir das hier doch auch hinbekommen“, erzählt Gehle. Beuermann nahm seinerzeit seinen katholischen Kollegen Rüdiger Rasche dazu und gleich beim ersten Mal kamen viele Teilnehmer. Manchmal waren es auch Mofa- oder gar Fahrradfahrer, die den Segen für die Freiluftsaison wollten. Das Thema des ersten Gottesdienstes vor 13 Jahren lautete „Alles was du wissen musst, ist das der Himmel brennt“. Es folgten jedes Jahr interessante Themen wie „ein Selfie von Gott“, 8-Geben“ oder „Ach du grüne Neune“. Immer gerne auf die jeweilige Zahl gerichtet. Coronabedingt fiel der beliebte Gottesdienst zwei Jahre aus. Dass es einmal zu so einer schönen Tradition wird, damit hätte niemand gerechnet. Besonders nicht die Männer der ersten Stunde, die heute noch dabei sind wie Beuermann und Gehle. Die katholischen Geistlichen wechselten immer mal wieder. Loer war erstmals dabei, fühlte sich aber sehr wohl in der großen Runde mit über 90 Motorradfahrern und vielen Begleitern. Der evangelische Pfarrer fährt selbst kein Motorrad, sitzt aber traditionell bei Ulrich Strecker als Sozius mit auf der Maschine. Die Kollekte ging erneut an die Notfall-Seelsorge im Kreis Gütersloh, die bei schweren Unfällen und Notfällen Familien in den ersten Stunden begleiten, wie vor einigen Tagen bei dem schweren Motorradunfall.
Den Weihwassersegen verteilte vor der gemeinsamen Ausfahrt Olaf Loer mit der Bitte an Gott, dass er die Fahrerinnen und Fahrer vor Unglück und Schaden beschützt, ihnen Umsicht und Vorsicht gibt, sie vor Unachtsamkeit anderer Verkehrsteilnehmer bewahrt und sie immer wieder wohlbehalten zu Hause ankommen lässt.
Nach der einstündigen Ausfahrt über St. Vit, Oelde, Lette, Möhler und zurück nach Wiedenbrück, gab es an der Kreuzkirche Bratwurst und kühle Getränke und die Gelegenheit zum geselligen Austausch der Biker, die altersmäßig von Anfang 20 bis in die hohen Siebziger dabei waren. Motorradfahren ist ein Hobby für viele Generationen, das verbindet, das wurde an diesem Tag einmal mehr deutlich.